Stadt – Land – Garten

Ein grünes Projekt mitten in der Stadt entsteht.

Ein anspruchsvolles Gemeinschaftsprojekt nimmt Gestalt an. Aus einem verwahrlosten Vorgarten wird eine grüne Idylle. Teil 1

Ein Garten ist für viele ein Ruhepol und Rückzugsort. Dort kann man ungestört in der Erde buddeln und seine Projekte verwirklichen. Mein Garten liegt allerdings weniger idyllisch, mitten in Freiburg an einer Hauptstraße, die zwei Autobahnen verbindet. Hier fahren jeden Tag 20.000 Autos vorbei. Was genau habe ich mir also davon erhofft?

Meine Wohnung hier in Freiburg im Breisgau ist groß, modern, in toller Lage und hat dennoch einen kleinen Makel: keinen Balkon. Für manche ist das sicherlich Nebensache, aber für mich ist es wichtig, irgendwo ein bisschen gärtnern zu können. Zuerst dachte ich: Was soll’s, dann machst du das halt drinnen! Aber schnell merkte ich, dass mir etwas fehlt. Auf der Suche nach ein bisschen Grün guckte ich nach Schrebergärten, welche sich als unbezahlbar herausstellten.

Vorgarten vermüllt
Ziemlich vermüllt war der Vorgarten und lud wenig zum Gärtnern ein.

Ich hatte schon resigniert, bis ich eines Tages vor unserem Wohnhaus stand und auf dieses verwahrloste Stück Grün starrte… Da wusste ich: Das wird mein Projekt!

Mein Vermieter war leicht zu überzeugen, da er verständlicherweise aufgegeben hatte, das Ensemble aufzuhübschen und es die letzten Jahre dabei belassen hatte, den Wildwuchs zurückzuschneiden. Also gab er mir freie Hand, meine Ideen zu verwirklichen. Aber bis es soweit war, gab es jede Menge zu tun.

In der Stadt landet so mancher Müll direkt auf der Straße oder im Vorgarten

Ich fragte die Ecoalas, das Umweltkomitee meines Studiengangs, ob sie Lust hätten, mitzumachen und fand schnell begeisterte Helferinnen, die mit mir stundenlang Unkraut zupften, Müll sammelten und den Boden umgruben. Müll war und ist tatsächlich ein großes Problem. Von Vorbeigehenden findet man immer wieder typische Hinterlassenschaften: Zigarettenstummel (und -boxen), Take-Away-Verpackungen und Süßigkeitenpapier, aber auch der Wind sorgt dafür, dass sich einiges ansammelt. Und dann sind da noch die „speziellen“ Funde, wie Fahrradteile (uns fehlt nur noch der Rahmen), Spritzen und Flummis.

Aufgeräumter Vorgarten mit Stuhl
Nachdem fast ein Gelber Sack mit Kleinkram in den Müll wanderte, sah es erstmal so aus.

Seadri 2bcondhand-Himbeeren

Und dann ging es natürlich dem Kraut an den Kragen. Stück für Stück kam der Boden ans Licht. Parallel haben wir schon die ersten Pflanzen gesetzt: Eine Reihe Himbeeren, die ich günstig über eine Verkaufsplattform erstanden hatte. Diese mussten natürlich mit einer Rhizomsperre (als Gartenschutz gegen unkontrollierte Ausbreitung durch Ausläufer) versehen werden, die wir, ebenfalls über das Internet kostenlos beziehen konnten.

Das Gärtnern fördern

Durch ein Förderprogramm der Uni konnten wir zwar etwas Geld für unser Projekt gewinnen, dennoch gilt es, das natürlich gut einzuteilen, weshalb wir versuchten das meiste gebraucht zu beziehen. Unsere erster regulärer Kauf war dann Erde, da wir die Pflanzen nicht in den immer noch recht vermüllten Boden setzen wollten.

Vorgarten aufgeräumt
So sah es dann Ende Februar aus.

adri 4Wird es uns gelingen?

Parallel ging es drinnen los mit dem Vorziehen. Eine Erfahrung, die ich schnell gemacht habe, ist, dass jeder der Nachbarn eine andere Meinung und auch andere Erwartungen an das Projekt hat. Während einige nicht viel Hoffnung haben, dass sich diesmal etwas ändert (einige Versuche vorher waren versandet), sind andere so begeistert, dass sie anhalten um dies kundzutun. Wieder andere mussten wir leider enttäuschen, dass wir nicht planen, Gras zu säen, weder Rasen noch Rauschmittel. Frisches Gemüse hat wohl nicht den gleichen Kick für meine Nachbarn wie für mich. Am Schönsten war die Geste einer Seniorin, die anhielt und uns zwei Äpfel schenkte.

In jedem Fall ist der Garten eine Gelegenheit, sein Stadtviertel mal richtig kennenzulernen.

 

Hochbeetbau aus gebrauchten Paletten
Ein Upcycling-Hochbeet entsteht.

Basteln, schrauben, sägen, verlegen

Dann wurde es Zeit für unser nächstes Projekt: ein Hochbeet aus alten Paletten, die schon da waren, und etwas Holz, welches wir wieder umsonst bekommen konnten. Lediglich die Schrauben mussten wir kaufen. Nebenbei konnten zwei meiner Kommilitoninnen neue Fähigkeiten erlernen: schrauben, sägen und herausfinden, was mit dem Akkuschrauber nicht stimmt (Wer die Akkus vorher lädt, spart viel Kraft!). Nebenbei zog noch eine gebrauchte Bank ein, sodass es inzwischen langsam anfängt wie ein richtiger Garten auszusehen.

Positiv Denken

Mir gefällt die Herausforderung, zu planen, was aus diesem Stück Niemandsland werden könnte und zu sehen, wie es sich entwickelt. Man passt sich an. Je länger man sitzt, desto weniger hört man den Lärm. Und wenn uns erstmal von allen Ecken das Grün umschließt, dann wird es bestimmt noch richtig gemütlich. Mal sehen, was wir in den Ferien noch schaffen. Ich bin guter Dinge, dass wir zum nächsten Semester schon die ersten Pflanzen rausbringen können.

Kleiner Gemüse-Vorgarten mitten in der Stadt.
Schon recht gemütlich nach wenigen Wochen.

In den kommenden Monaten werde ich in einem weiteren Teil über unser Projekt berichten. Vielleicht gibt es ja dann auch schon etwas zu ernten.

Habt ihr auch Erfahrungen mit Gärtnern auf kleinem Raum oder unter schwierigen Umgebungsbedingungen? Schreibt gerne an unsere Blogredaktion oder lasst einen Kommentar da, damit auch andere Leserinnen und Leser etwas davon haben.

Ein Beitrag von:

Adriana Vrhel

 Ich bin Adriana und habe im letzten Jahr mein FSJ-Kultur im Kulturzentrum Seefelder Mühle absolviert. Schon davor habe ich mich für Nachhaltigkeit interessiert und im Projektjahr dazu viele neue Ansätze kennengelernt. Jetzt arbeite ich bei einem Radio und rede in meiner Sendung, wie könnte es anders sein, über Umweltschutz.

Autor: Seefelder Mühle

Die Seefelder Mühle ist ein soziokulturelles Zentrum auf dem Land. Zwischen Weser und Jadebusen macht die Mühle das leben bunt! Mit Kulturveranstaltungen und Projekten, die immer dazu einladen sich einzubringen.

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