Permakultur – nur Mode oder zukunftsfähig?

Bärlauchblüte im Frühjahr

Eine nachhaltige Form der Selbstversorgung

Seit einiger Zeit beschäftige ich mich mit der #Permakultur. Vielleicht haben einige schon einmal den Begriff gehört, für viele dürfte er aber unbekanntes Terrain sein. Mit Permakultur wird eine bestimmte Art des Kultivierens und Gärtnerns bezeichnet, mit dem Ziel, Nahrungs- und Heilpflanzen für sich und andere im Einklang mit der Natur zu produzieren. Monokulturen sind tabu. Diese Form des Anbaus setzt ein Umdenken voraus und betrachtet die Kulturpflanzen und auch die vorhandenen Wildpflanzen aus einem anderen Blickwinkel. Mit Permakultur ist eine innere Haltung verbunden, die der Natur zugewandt ist, den Nachhaltigkeitsgedanken verinnerlicht hat und jegliche Form von chemischer Beeinflussung ablehnt. Viele bezeichnen die Permakultur auch als eine essbare Landschaft, die durch eine große Artenvielfalt bei Fauna und Flora gekennzeichnet ist.

Ein unverzichtbarer Vorteil der Permakultur ist der nachhaltige Ansatz, den sie verfolgt. Die Produktion eigener Lebensmittel spart Ressourcen und Abfall. Die Pflanzenauswahl ist vielfältig und fördert Lebensräume für Insekten, Vögel und Säugetiere. Nützlinge werden in den Garten gelockt, Heilpflanzen tun dem Gärtner*in gut und geben ihm Energie und Kreativität. Als #Selbstversorger*in oder auch nur in Teilen Selbstversorger*in hat man die Freiheit über die Wahl der eigenen Nahrungspflanzen, schafft sich so ein Stück Freiheit von Herstellerfirmen und Konsumtempeln. Daraus erwächst auch eine Freiheit des Geistes. Permakultur ist eine besondere Form des Lebens und des Umganges mit unserer Umwelt.

Care als Prinzip

Es gibt drei ethische Grundsätze in der Permakultur:

  1. Earth Care: Hier wird Wert auf die Bodenstruktur, auf den Erhalt der Fruchtbarkeit und auf den Einsatz von selbstgefertigtem Kompost gelegt. Dem Erhalt der Bodenorganismen wird mehr Aufmerksamkeit gewidmet als dem Wohlergehen der Kulturpflanzen. Nur auf einem gesunden Boden können auch gesunde, kräftige und ertragreiche Pflanzen stehen. Die wertvolle Humusschicht wird erhalten und wenn möglich weiter aufgebaut.
  2. People Care: Gesunde Lebensmittel produzieren, eigenständig handeln, unabhängiger agieren. Regional Wirtschaftskreisläufe und lokale Produzenten werden unterstützt. Eine nachhaltige und zukunftsfähige Landwirtschaft, die für die nächsten Generationen der Enkel und Urenkel praktikabel ist, wird aufgebaut.
  3. Fair Care: Die Natur macht es uns vor. Überschüssige Früchte, Blätter, Holz werden verteilt bzw. wieder an den Boden zurückgegeben. Unter dem Verteilen ist auch das Teilen von überschüssig geernteten Früchten und Pflanzen an Freunde und Gleichgesinnte gemeint. Auch die freiwillige Selbstbegrenzung und das Vermeiden von Übermaß des Permakultivierenden sind hier gemeint. Begrenze Konsum und Wachstum, verteile Überschüsse.

Beim Überdenken der drei Grundprinzipien erkennt man schnell, dass sich Permakultur durchaus auch auf sehr unterschiedliche gesellschaftliche Bereiche beziehen bzw. diese beeinflussen kann. Die Permakultur ist somit auch eine soziale Bewegung, bei der Menschen aus unterschiedlichen Bereichen zusammenkommen. Gartenkooperativen können entstehen, Aktionstage bringen Spaß und Wissen, in Gemeinschaftsgärten können sich Teilnehmer selbst versorgen, in sozialen Netzwerken austauschen und Wissen verbreiten.

Im Permakulturgarten wachsen verschiedenste Pflanzen in stetem Wechsel.
Im Permakulturgarten finden sich verschiedenste Elemente wie Hochbeet oder Hügelbeet. Blanke Erde ist hierbei nicht erwünscht. Es wird gemulcht.

Gärtnern in Etagen

Als ich mich mit der Permakultur näher beschäftigte, viel mir auch ein Teilelement – der #Waldgarten – ins Auge. Zu meinem Erstaunen ähnelte es sehr meinen bisherigen Anbauprinzipien, die ich bis zu der großen Schneckeninvasion vor einigen Jahren genauso betrieben habe. Schon in den 90er Jahren hatte ich mir ein Permakulturbuch gekauft, welches aber sehr theoretisch angelegt war. Offenbar habe ich den Text verinnerlicht und ihn in Teilen und auf meine Bedürfnisse bzw. Bodenverhältnisse angepasst umgesetzt. Später habe ich die Sache ein bisschen aus den Augen verloren. Die Wiederentdeckung der Permakultur und die Neuentdeckung des Waldgartens hat mich tief berührt und es wurde mir schlagartig klar, dass es das ist, was ich in Zukunft tun werde.

Schon als Kind habe ich stundenlang alleine oder mit Freunden im Wald gespielt. Der Wald ist für mich auch heute noch, obwohl ich hier in einer waldarmen Gegend lebe – ein unverzichtbarer Teil der Natur. Deshalb verliebten wir uns auch gleich in unser Grundstück, denn es war von Anfang durch seine hohen alten Bäume geprägt. Zwei alte über 150 Jahre alte Kastanien – eine davon mussten wir leider fällen – mehrere genauso alte Linden, uralte Erlen und 100-jährige Eschen sowie knorrige Obstbäume sind noch heute Charakterbäume, die wir durch eigene Anpflanzungen ergänzt und erweitert haben. Im hinteren Teil unseres Grundstückes überwiegt der Waldcharakter und dort befand sich auch der Gemüsegarten. Mein neu angelegter Garten ist nun etwas nach vorne neben das Stallgebäude auf die Südseite gewandert. Dennoch wird auch im hinteren Bereich noch geerntet. Dort stehen immer noch die Beerensträucher, Rhabarber und Bärlauch müssen sich alleine durchschlagen, was ihnen bestens gelingt. Unzählige Wildkräuter lassen sich dort problemlos sammeln und erweitern unseren Speiseplan.

Gemüse und Beerensträucher wachsen unter einer Esche.
Auch unter einer hohen Esche lässt sich noch gärtnern. In einem Brunnen stehen Radieschen und Zwiebeln etwas erhöhter. Dahinter haben auch Beerensträucher noch genügend Licht zum Wachsen.

Was ist nun mit einem Waldgarten gemeint?

In einem Waldgarten wird das vertikale Gärtnern mehr unterstützt als das üblicherweise zweidimensionale Gärtnern. Der Gärtner denkt in der dritten Dimension. In der Regel bietet ein Waldgarten weniger sonnenbeschienene Freiflächen, es sind eher Lichtungen, auf denen Gemüsepflanzen angebaut werden. Vor allem aber gibt es mehr Pflanzengemeinschaften, die zwar dicht zusammenstehen, aber sich durch ihren Wuchs nur geringfügig Konkurrenz verschaffen. Es gibt mehr schattige und halbschattige Bereiche und der Gärtner muss eine gute Kenntnis über seine Pflanzen (egal ob wild oder gezüchtet) haben. Dieses Etagengärtnern habe ich schon von Anfang an betrieben. Unter eine Esche setzte ich meine Beerensträucher und davor die Gemüsepflanzen.

Da wir auf unserem Grundstück sehr viele alte Bäume haben, ist es der ideale Ort, um das Waldgärtnern weiter voranzutreiben. Ich bin schon sehr gespannt, wie die Bohnen und Erbsen darauf reagieren, wenn ich sie an die Obstbäume pflanze, damit sie dort hinaufhangeln.

Bärlauchblüte im Frühjahr
Unter einer hohen Esche wächst der Bärlauch schon seit Jahren völlig selbstständig.

Schauen, staunen, lernen

Die Permakultur erfordert Geduld und eine gewisse Beobachtungsgabe, die es hilft, die Vorgänge in der Natur und Kulturlandschaft zu begreifen. Es gilt sich aus der Natur ein Feedback zu holen, welches bei der Gestaltung der eigenen Beete und Pflanzengruppen hilfreich ist. Wie verändern sich die Pflanzen im Laufe des Jahres oder auch mehrerer Jahre? Aus der Natur lernen und verstehen ist das oberste Prinzip. Woher kommt der Wind? Wo sind sonnige oder sehr schattige Plätze? Wie ist die Wasserversorgung? Wer hat sich zu wem vergesellschaftet? Welche Wildpflanzen sind vor Ort und essbar?

Permakultur als Gestaltungspraxis wurzelt in einem tiefen Verständnis von den Beziehungen der Lebewesen untereinander und zu ihrer belebten und unbelebten Umwelt.

Angesichts der vielfältigen Krisen in unseren globalen Ökosystemen bringt Permakultur Nachhaltigkeit, Balance und Fairness in den Blickpunkt.

Schmetterling auf Blüte vom Asia-Salat.
Die eigene Saatgutgewinnung, wie hier beim Asiasalat, hilft Ressourcen zu sparen und bietet heimischen Insekten eine zusätzliche Nahrungsquelle.

Permanenz ohne Ausbeutung

Die Australier Bill Mollison und David Holmgren entwickelten das ursprüngliche Konzept der Permakultur in den 1970er Jahren und beobachteten und analysierten weltweit Landnutzungsformen, die im Einklang mit der Natur die Bodenfruchtbarkeit schonten und aufbauten, kaum Abfall erzeugten und die Artenvielfalt erhöhten. Aus ihren Beobachtungen entstand ein Konzept, die Landwirtschaft nach dem Vorbild natürlicher Ökosysteme zu gestalten. Als Namen dafür setzten sie die Begriffe „permanent“ und „agriculture“ zusammen und es entstand der Begriff „Permaculture“. Darin verbirgt sich auch das permanente Bewirtschaften des Bodens. Niemals sollte er unbepflanzt oder ohne Obermaterial/Mulch Licht und Wind ausgesetzt sein. Nur so lässt sich die Humusschicht und die darin enthaltenen Lebewesen erhalten und für die nächste Pflanzengeneration vorbereiten. Hier kommt dann die Gründüngung ins Spiel.

Es gäbe viel zu erzählen, doch an dieser Stelle ist erst einmal genug gesagt. Ich freue mich auf’s Gärtnern und werde staunend neue Dinge lernen und sie in meine Arbeit einfließen lassen. Es ist mein nachhaltigstes Lebensprojekt.

In den nächsten Beiträgen werde ich gezielter auf einzelne Punkte der Permakultur eingehen. Auch eine kleine Serie über Wildpflanzen und ihren Nutzen für uns werde ich starten. Ich hoffe, es bringt euch genauso viel Spaß wie mir.

Autor: Beatrix Schulte

Fotografin, Künstlerin, Autorin. Die Fotografie und das Schreiben ist für mich nicht nur Beruf, sondern auch Berufung. Ich lebe seit 24 Jahren auf einem Resthof in der Gemeinde Stadland zusammen mit meinen Pferden, zwei Hunden und meinem Liebsten. Wir haben ein 28.000 m² großes naturnahes Grundstück, auf dem wir tagtäglich nachhaltig zu leben versuchen und auch den Wildtieren und Wildpflanzen um uns herum einen Raum zum Leben zu gönnen. Hier wird Permakultur mit Waldgartencharakter betrieben.

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