Plastikfreie Einkaufstour – Erfahrungsbericht

Welche Herausforderungen bringt ein Einkauf mit sich, bei dem man Verpackungen vermeiden möchte?

Verpackungsarm einkaufen – das ist für mich schon seit Jahren Alltag. Doch ganz ohne Plastik, Pappe & Co bekomme ich es bislang noch nicht hin.
Um euch einen kleinen Einblick in meine Wocheneinkäufe zu geben, möchte ich heute meine Erfahrungen zum Thema unverpackt unterwegs mit euch teilen.

Vorbereitung hilft!

Mittwochs und samstags ist bei uns in der Nähe Wochenmarkt. Um nicht zweimal den Weg fahren zu müssen, plane ich unsere Einkäufe immer für circa eine Woche. Je nach Haltbarkeit der Obst- und Gemüsesorten auch schon mal für ein paar Tage länger.

Einkaufsliste per App

Bevor es losgeht, schreibe ich eine Einkaufsliste. Das macht insbesondere deshalb Sinn, weil ich dann besser abschätzen kann, welche Ersatzverpackungen und Transportmittel ich zu meinem Einkauf mitnehmen muss. Um Papier zu sparen und meine Einkaufsliste gleich in praktische Kategorien einteilen zu können, nutze ich eine Einkaufslisten-App. So kann ich den Schmierzettel, den ich früher verwendet habe, um Listen zu schreiben, auch nicht zu Hause vergessen. Denn das Smartphone habe ich immer dabei.

Auswahl der Verpackungen

Wenn ich weiß, was ich kaufen möchte, entscheide ich, welche Behälter ich für den Transport benötige. Zu einem typischen Wocheneinkauf nehme ich immer eine große Klappkiste, vier bis sechs Verpackungsnetze, ein bis zwei Tragetaschen aus Stoff (ein Rucksack ist auch klasse!) und je nach Einkaufsliste noch zwei bis vier leere Schraubgläser mit. Da wir sehr ländlich wohnen und Bus oder Fahrrad leider keine Optionen sind, muss ich mir wegen des Rückweges keine Gedanken machen. In den Kofferraum meines Autos passt ja so einiges rein.

Meine Transportbehälter hab‘ ich immer dabei. Foto: Linda Grüneisen

Marktstände in Konkurrenz – Du entscheidest!

Auf unserem Wochenmarkt gibt es vier Obst- und Gemüsestände, einen Bäcker, zwei Metzger, einen Fischhändler, Gewürz-, Blumen- und einige andere Stände. Bei vier (!) Anbietern von Obst und Gemüse muss man sich entscheiden. Ich kaufe konsequent bei einem eher kleinen Stand, der zu einem Großteil selbst angebautes Obst und Gemüse anbietet. Das wird biologisch produziert, ist aber nicht Bio-zertifiziert und daher auch nicht so teuer, wie Gemüse mit einem Bioland– oder Demeter -Label.

An diesem Marktstand kann man immer sehr gut sehen, welche Lebensmittel gerade Saison haben. Im Winter ist daher die Auswahl deutlich kleiner als im Sommer. Aber das stört mich nicht. Kreativ und ausgewogen kochen kann man zu jeder Jahreszeit.

Viel Auswahl im Herbst. Marktstand in Varel. Foto: Linda Grüneisen

Sinnvoll stapeln

Um möglichst mit der einen mitgebrachten Kiste auszukommen, stapele ich die Gemüse- und Obstsorten so, dass nichts kaputtgeht: Äpfel, Zwiebeln und Kartoffeln kommen ganz nach unten auf den Kistenboden (3 – 5 Kilo nehme ich immer mit). Auch Knoblauch darf nach unten. Dann folgen weitere stabile Sorten, wie Rote Beete, Kohl, Brokkoli oder Kürbis. Bei Möhren muss man etwas aufpassen. Sie mögen keine großen Temperaturunterschiede beim Nachhauseweg und bekommen schnell kleine braun-graue Stellen. Die ändern jedoch nichts am Geschmack und können einfach abgeschält werden. Gurken, Zucchini, Tomaten und Auberginen lege ich immer oben auf. So werden sie nicht zerquetscht und ich kann im Auto auf dem Rückweg gleich eine halbe Schlangengurke und ein paar kleine Tomaten snacken.

Kein Plastik. Kein Papier. Unverpackt einkaufen auf dem Wochenmarkt. Foto: Stefan Kral

Auch Papiertüten belasten die Umwelt

Da mich als Veganerin die Fleisch- und Fischstände nicht interessieren und ich Brote und Brötchen immer selbst backe, ist der Marktbesuch immer ein zeitsparender Punkt auf unserer Einkaufstour. Falls wir doch mal ein Baguette oder ein paar Brötchen vom Bäckereistand brauchen, geht auch das wunderbar unverpackt mittels der mitgebrachten Einkaufsnetze. Denn auch jede Papiertüte, in der Brötchen oder Kuchen verpackt werden und die anschließend im Müll landen, muss zuvor produziert werden und verbraucht somit wertvolle Ressourcen wie Wasser, Strom und Holz.

Einen ganz besonderen Stand gibt es noch auf unserem Wochenmarkt. Dort kann man eingelegte mediterrane Spezialitäten kaufen. Es gibt große Holzfässer mit Oliven, Champignons, Pepperoni & Co. Hier kaufe ich gerne schwarze und grüne Oliven mit veganer Füllung. Und auch dort ist es kein Aufwand, ein großes Schraubglas mitzunehmen, statt die kleinen Plastikschälchen mit Deckel zu verwenden, die wenig später in der gelben Tonne landen würden.

Plastikschälchen eingespart. Foto: Linda Grüneisen

Auf zum Supermarkt

Was auf dem Wochenmarkt super einfach geht, wird im Supermarkt zur Herausforderung! Plastikverpackungen so weit das Auge reicht. Trotzdem kann man inzwischen auch in den allermeisten Obst- und Gemüseabteilungen zwischen verpackten und unverpackten Lebensmitteln wählen.

Jede Kaufentscheidung zählt

Kartoffeln, Äpfel, Zitronen, Gurken, Zucchini, Zwiebeln…
Bei vielen Lebensmitteln hat man die Wahl, ob man sie fertig portioniert in einem Einwegnetz, einer Papiertüte, einem Plastikeimer (sehr beliebt bei Cocktailtomaten!) oder eben unverpackt kauft und dann zum Abwiegen selbst in ein wieder verwendbares Einkaufsnetz packt. Man hat also die Wahl.

Der Preisunterschied ist oft nur gering! Die Frische und die Qualität unverpackt angebotener Lebensmittel sind hingegen häufig deutlich besser!

Fotos: Linda Grüneisen

Nein sagen ist erlaubt!

Wenn ich es nicht zum Wochenmarkt geschafft habe und noch Obst oder Gemüse aus dem Supermarkt kaufen möchte, gibt es ein paar Sorten, die ich konsequent nicht kaufe: Brokkoli in Kunststoff eingeschweißt, Champignons in Plastikschalen mit Kunststoff umwickelt, abgepackte Äpfel oder eingeschweißte Schlangengurken zum Beispiel. Es zerschießt dann vielleicht meinen Wochenplan, aber da Improvisation sowieso mein Lebensinhalt ist, kann ich gut damit leben, bestimmte Dinge einfach mal im Regal liegen zu lassen und etwas anderes zu kochen, als ich geplant hatte.

Die Wunderwelt der Unverpackt-Läden

Bevor das Corona Virus die Welt durcheinanderbrachte und ich in den Genuss des Home-Offices kam, habe ich Reis, Nudeln, Nüsse, Getreide, Waschmittel und selbst Schokolade und zahlreiche andere Lebensmittel häufig in einem gut sortierten Unverpackt-Laden in Oldenburg gekauft. Seitdem ich zu Hause am Computer arbeite, lohnt sich der weite Weg nicht mehr so richtig und das führt dazu, dass wir deutlich mehr Verpackungsmüll anhäufen, als mir lieb ist. Es stört mich, dass das so ist und daher wäge ich bei jedem Einkauf ab, welche Kaufentscheidungen ich treffe.

Fazit und Optionen

Einige Dinge gibt es schlichtweg auch gar nicht ohne Umverpackung: Joghurt zum Beispiel oder Toilettenpapier. Das finde ich sehr schade, auch wenn ich es in Bezug auf Joghurt und Hygieneregeln natürlich nachvollziehen kann. Und auch wenn es vielleicht noch sehr lange dauert, bis sich politisch so viel tut, dass die Hersteller mitziehen und Verpackungen einsparen müssen, gebe ich nicht auf und überlege bei jedem Einkauf, ob er notwendig ist und ob ich ihn auch ohne Verpackungsmüll hinbekommen könnte.

Insbesondere die Frage nach der Notwendigkeit ist spannend: Ich mache beispielsweise Vieles einfach selbst! Brotaufstriche, Dipps, Pflanzenmilch, Brot und Brötchen, veganen Frischkäse, Gemüsebrühe-Paste und sogar Tofu. All das muss man nicht zwangsläufig kaufen. Es erfordert ein bisschen Zeit und Aufwand, macht aber in erster Linie sehr viel Spaß und sorgt dafür, dass die Umwelt ein kleines bisschen weniger verletzt wird.

Foto: Linda Grüneisen

Autorin:

Linda Grüneisen

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Mein Name ist Linda Grüneisen. Ich lebe mit meiner Familie in Eckwarden, bin Fachwirtin im Gesundheits- und Sozialwesen, freie Fotografin und Verlegerin eines kleinen Bremer Buchverlags. In meiner Freizeit engagiere ich mich aktiv im Umwelt- und Tierschutz. Ich lebe seit vielen Jahren vegan.

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