Regenbogen im Herzen

Kunterbunter Zuckermais neu entdeckt für den heimischen Anbau. Auspacken mit Spaß

Ein kunterbunter Mais erfreut Augen und Gaumen

Der Zuckermais hat es mir ja schon länger angetan. Bisher hatte ich allerdings nur wenig Lust und Gelgenheit ihn anzubauen. Irgendwann vor 20 Jahren hatte ich mal gelben Zuckermais im Anbau, der war o.k. und wir machten Popcorn aus ihm. Jetzt habe ich den Zuckermais für mich wiederentdeckt.

Im März 2020 auf der Saatgutbörse in Hamburg, die ich zusammen mit Renate Düring, Regionalleiterin Nordwest des VEN besuchte, fiel mir an einem Tauschtisch eine Portion Hopi-Mais in die Hände. Ich nahm mir das Tütchen, in dem rund 10 Körner lagen und steckte es ein. Später entdeckte ich dann am VEN-Stand nochmals den Hopi-Mais, allerdings hing er da noch am getrocknteten Kolben. Auf meine Nachfrage durfte ich mir freundlicherweise so viel Körner mitnehmen wie ich wollte. Ich steckte mir nochmals 20 Körner ein und bedankte mich bei der Standbetreiberin.

Nun hatte ich also zumindestens mal ein wenig Saatgut, der Rest würde sich dann finden.

Die Hopi sind ein Pueblo-Indianerstamm aus Arizona in den Vereinigten Staaten, die diese alte Sorte seit Jahrhunderten im Anbau haben. Er ist robust und mendelt so vor sich hin, er hat eine hohe Variabiltät im Aussehen.

Kleine Körner für Mutter Erde

Im Mai steckte ich die Körner in ein kleineres Beet, in dem letztes Jahr Erbsen gestanden hatten. Da Erbsen Stickstoffsammler sind und den Boden ebenso wie Bohnen mit dem für Pflanzen wichtigen Nährstoff anreichern, hoffte ich auf ein gutes Wachstum. Der Hopi-Mais enttäuschte mich nicht. Zunächst begann er recht zögerlich zu wachsen, nachdem fast 100% der gelegten Körner aufgelaufen waren. Zarte grüne längliche Blätter versprachen zunächst keine Wunder, doch da sollte ich mich täuschen.

Saatgutgewinnung aus eigenem Mais.
Eigenes Saatgut kann man beim Mais sehr gut selber gewinnen.

Schon zwei Monate im Juli später waren die kleinen Pflänzchen nicht wiederzuerkennen. Sie hatten mächtig an Höhe gewonnen und waren jetzt knapp 1 Meter hoch. Ihr Grün war jetzt satter und die Blätter waren mittellang und kräftig. In den heißen Sommermonaten verzichtete ich übrigens darauf, den Mais extra zu gießen, denn ich hatte in einem Filmbeitrag einen Indianer in seinem Maisfeld gesehen. Er lebte in einer trockenen Gegend in den USA und dort wurde der Mais bestimmt nicht extra gewässert. Er war nicht so hoch gewachsen, hatte aber dicke gut gefüllte Kolben und das überzeugte mich davon, meinen Mais nun ebenfalls nicht zu wässern und abzuwarten, was passiert. Und tatsächlich: an Wasser mangelte es dem Mais überhaupt nicht. Seine Wurzeln ragten so tief ins Erdreich, wo genügend Feuchtigkeit vorhanden war. Die Pflanzen sahen megakräftig aus, hatten ein sattes Tiefgrün und sie wuchsen und wuchsen im Laufe des Sommers immer weiter.

Mais in der Blütezeit.
Die langen hellgrünen „Haare“ sind ein untrügliches Zeichen für die weiblichen Blütenstände des Mais.

Riesenhaftes Wachstum

Irgendwann Ende September erreichten einige von meinen Pflanzen eine Höhe von annähernd 4 Meter!!! Das war schon gewaltig und ich staunte nicht schlecht. Ende August hatte er angefangen zu blühen und ich war schon gespannt auf die Kolbenentwicklung. Zunächst zeigten sich nur schmalere Kolben, die hellgrün ummantelt waren und die typischen blonden „Haare“ an den Spitzen zeigten. Bei Mais braucht man Geduld, denn die Kulturzeit ist recht lang. In meinem Fall annähernd ein halbes Jahr von Mai bis fast November. Ende Oktober zeigten sich die ersten dicken Kolben etwas „offener“. Die blonden Haare waren nun dunkelbraun und strohig geworden und die Deckblätter bekamen eine gelbere Farbe. Offenbar hatten auch schon einige Mäuse die leckere Innerei entdeckt, denn an einigen Spitzen waren kleinere Fraßstellen. Alles in allem ein sicheres Zeichen, dass der Mais nun reif war.

Rote Deckblätter und dirnnen ein kunterbunter Maiskolben.
Es gab auch Maiskolben mit roten Deckblättern, die besonders attraktiv aussahen.

Überraschung inklusive

Mit Spannung suchte ich mir einen dicken Kolben aus und blätterte die Hüllblätter Stück für Stück ab. Zum Vorschein kam ein orangeroter vollbepackter Maiskolben mit dicken Körnern, die manchmal eine dunklere Färbung zeigten. Ich war begeistert, denn einen so farbigen Mais hatte ich bisher noch nicht im Anbau. Der zweite Kolben, den ich auspackte, zeigte eine gelborange Farbung mit einigen dunkleren Körnern. Der 3. Kolben war gelb in der Grundfarbe mit einige bunten Körner gesprenkelt. Und so ging es weiter, jeder Kolben sah anders aus. Manche waren roter, manche mit vielen dunklen Körnern, manche mit helllila Körnern, ich sah rose, pink, sogar leicht grünliche Körner. Eine solche Variabilität hatte ich nicht erwartet. Der Hopi-Mais entsprach rein optisch genau meinem Geschmack. Kunterbunt und immer anders. Kein Kolben glich dem anderen, alle Farben waren vertreten. Jedes Auspacken eine Überraschung.Toll!

Hopi-Mais in seiner ganzen Vielfalt.
Der Hopi-Mais zeigt eine unglaubliche Vielfalt an Farben und Kolbengrößen. Von fast Weiß bis fast Schwarz war alles vertreten. Selbst grünliche Körner habe ich beobachten können.

Fast alle Kolben waren vollständig gefüllt, es gab nur wenige Ausnahmen. Insgesamt brachte jede meiner Pflanzen zwischen 1 und 2 verwertbare Kolben, dazu noch mehrere kleine unbrauchbare Kolben. Die Optik hatte mich also total überzeugt. Aber was war nun mit dem Geschmack? Schließlich pflanzte ich ja nicht nur für die Optik sondern auch für den Verzehr.

Tatsächlich waren die Kolben leicht unterschiedlich im Geschmack. Je nach Reifegrad schmeckten sie mal süßer und mal weniger süß. Von außen war das freilich nicht gut zu erkennen. Die rotorangenen schmeckten am süßesten, aber auch die anderen Körner waren essbar und eigneten sich zum Trocknen für Chili sin Carne oder ähnliches. Die Roten trocknete ich für Popcorn. Einige fror ich ein als Vergleichskörner.

#Saatgutrebellen

Und natürlich habe ich mir von den kräftigsten Kolben und von allen Farben Saatgut zurückgelegt, denn so eine Gelgenheit will ich nicht verstreichen lassen. Der Hopi-Mais soll in meinem Anbau verbleiben.

Kunterbunter Maiskolben mit gelben und blauen Körnern.
Schon beim Anblick läuft mir das Wasser im Mund zusammen. Auch roh lässt sich der Hopi-Mais gut verzehren.

Für mich ist klar, dass ich nun jedes Jahr Mais anpflanzen werde und ihn fest in meine Ernährung einplanen werde. Mein erstes Gericht mit meinem Hopi-Mais war ein Chili sin Carne mit eigenen Bohnen, Chilis, Tomaten und Maiskörnern. Ich werde sicherlich auch mal probieren, eigenes Maismehl zu mahlen, um daraus Maisfladen oder Maisbrot zu backen. Einige der Kolben landen natürlich auch gleich nach der Ernte auf dem Lagerfeuer und werden gegrillt. So habe ich auch in Mexiko den Mais genossen – frisch gegrillt direkt vom Anbauer, gekauft an einem Straßenstand. Lecker!

Maisanbau in Deutschland

Üblicherweise wird in Deutschland Futter- und Silomais auf 2,64 Mio. Hektar Ackerland angebaut. 2019 wurden auf deutschen Feldern rund 3,6 Millionen Tonnen Körnermais geerntet. Dieser ist für den menschlichen Verzehr geeignet und es werden aus ihm Popcorn, Maismehl, Maisgrieß und Cornflakes hergestellt. Beim Futter- und Silomais waren es mehr als 86 Millionen Tonnen. Der Körnermais hat somit eine untergeordnete Rolle, was schade ist. Denn seine Inhaltsstoffe sind sehr nahrhaft. Nicht, dass wir jetzt noch mehr Maisflächen bräuchten. Die Vermaisung in manchen Landstrichen Deutschlands ist weit übers Ziel hinausgeschossen.

Auf den Maisfeldern herrscht zudem eine ausgesprochen artenfeindliche Monokultur, die auch dazu beigetragen hat, dass die Biodiversität stark abgenommen hat und Insektenbestände stark rückläufig sind.

Maiskolben in der Reifezeit.
Wenn die „Haare“ braun sind und die Deckblätter sich langsam verfärben, ist der Mais im Innern vermutlich reif. Der Hopi-Mais legt die Kolben dann auch vielfach nach unten.

Alternativen entwickeln

Besser wäre es, mehr Körnermais anzupflanzen für den menschlichen Verzehr, mehr Sortenvielfalt anzubauen wegen der unterschiedlichen Geschmacksrichtungen, mehr Fruchtwechsel zu berücksichtigen und so zu einem besseren Anbauergebnis und beim Verbraucher zu einer bewussteren Ernährung zu kommen, bei der nicht das Vieh den Mais frisst, sondern wir Menschen ihn gleich zu uns nehmen und uns damit gesund ernähren. Wenn wir gleichzeitig weniger Fleisch essen, wird daraus ein „nachhaltiger Schuh“, mit dem unser Kulturland und die umgebende Naturlandschaft gut leben können. Mais ist wärmeliebend und kommt ursprünglich aus Mittelamerika, wo er mit teils großer Trockenheit während der Reifezeit leben muss. In Zeiten des Klimawandels und heißeren Sommermonaten wäre Körnermais eine hervorragende Kultur, wenn er biologisch und im Fruchtwechsel angebaut würde. Eine echte Alternative und eine nahrhafte Ergänzung unseres Speiseplans.

Rezepte folgen

In einem weiteren Beitrag werde ich berichten, was ich mit meinem Hopi-Mais gemacht habe, wie ich ihn verwertet habe.

Hier noch ein Video als kleine Inspiration für den eigenen Anbau.

https://youtu.be/O7q3NSdLCjo

Autor: Beatrix Schulte

Fotografin, Künstlerin, Autorin. Die Fotografie und das Schreiben ist für mich nicht nur Beruf, sondern auch Berufung. Ich lebe seit 24 Jahren auf einem Resthof in der Gemeinde Stadland zusammen mit meinen Pferden, zwei Hunden und meinem Liebsten. Wir haben ein 28.000 m² großes naturnahes Grundstück, auf dem wir tagtäglich nachhaltig zu leben versuchen und auch den Wildtieren und Wildpflanzen um uns herum einen Raum zum Leben zu gönnen. Hier wird Permakultur mit Waldgartencharakter betrieben.

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