Die Crux mit der Nachhaltigkeit – oder: Mein Versuch, nicht zu scheitern!

Nachhaltiges Handeln im Alltag ist gar nicht so einfach. Es gibt so manche Hürde zu überwinden und man braucht unter Umständen einen langen Atem und viel Motivation, um „dranzubleiben“ und nicht gleich aufzugeben. Welche Erfahrungen Lara Bopp mit der Nachhaltigkeit gemacht hat, erzählt sie euch in diesem Artikel.

Nachhaltigkeit ist ein Handlungsprinzip zur Ressourcen-Nutzung, bei dem eine dauerhafte Bedürfnisbefriedigung durch die Bewahrung der natürlichen Regenerationsfähigkeit der beteiligten Systeme gewährleistet werden soll. Wikipedia

Ein Gastbeitrag von Lara Bopp aus Flensburg

Jaaa! Nachhaltigkeit!

Da bin ich voll dabei. Klar will ich die Umwelt retten und die Welt verbessern. Ich kenne auch keinen Menschen, der bei dem Thema sagt: „Nee, ich will Mist essen und weiter unnötigen Müll produzieren.“

Das Internet ist voll mit Geschichten und Blogartikeln zu Themen wie nachhaltig, Bio, selbstgemacht, gesund, entschleunigt usw. Die Buzzwords unserer Zeit sozusagen. Glückliche Menschen, die es geschafft haben und einem suggerieren wie einfach es ist, plötzlich umweltfreundlich und nachhaltig zu leben.

An der Formulierung „geschafft haben“ merkt ihr schon, dass ich Nachhaltigkeit mit Arbeit verbinde und es wohl nicht so ganz geschafft habe. Für mich ist der Versuch, nachhaltig zu sein, Arbeit. Da Nachhaltigkeit in meinem alltäglichen Leben eben nicht der Hauptfokus ist. Meine persönlichen Erfahrungen mit Nachhaltigkeit sind eher vermischt und deprimierend. Vielleicht schaffen das nur Menschen, die das wirklich wollen und ihren Lebensfokus entsprechend verschieben?!

Der erste Versuch – die Gläser

Meine ersten Versuche sahen wie folgt aus, ich habe angefangen Gläser zu sammeln: Da ich gerne Pilzpfanne esse, habe ich immer schön Pilze im Glas gekauft und die Gläser aufgehoben. Das Gleiche mit Pesto. Als ich dann eine stattliche Sammlung Gläser zusammengetragen hatte, habe ich hochmotiviert alle meine Gewürze in Gläschen umgefüllt. Voll nachhaltig und so, schließlich waren sie nicht in Plastiktütchen und Hartplastik.

Die Erkenntnis

Was ich hierbei vergessen habe war, dass ich die Gewürze zuvor in Plastiktütchen gekauft habe, die ich dann weggeworfen habe.

Aufgegeben habe ich aber nicht, ich habe weiter alle möglichen Gläser gesammelt, die jetzt in einer Ecke verstauben. Vielleicht kann ich sie ja doch nochmal brauchen. Habt ihr eine Idee, was ich damit anstellen könnte?

Der zweite Versuch – Das Spülmittel

Nächster Versuch, Spülmittel. Da man eben nicht alles in die Spülmaschine stecken kann, sondern Pfannen besser per Hand gewaschen werden wollen (ihr erinnert euch… Pilzpfanne und so…), habe ich im Laden nach einer umweltfreundlichen Variante für ein Geschirrspülmittel gesucht. Zu meinem Entzücken war ich nicht gezwungen mir Video-Tutorials oder Rezepte für selbstgemachtes Bio-Spülmittel reinzuziehen, halbherzig die Zutaten zu kaufen und dann im Schrank vergammeln zu lassen. Es stand dort tatsächlich ein Bio Spülmittel. Bei BIO schaue ich nicht auf den Preis, da mich das dann doch davon abhalten würde, zu kaufen. Also zack und ab in den Einkaufswagen damit. Zu Hause folgte dann die Ernüchterung!

Der Praxistest

Die Pfanne erstmal vom groben Schmutz befreit, bis nur noch ein Fettfilm übrig war. Dann angefangen mit Schwamm und neuem Bio Spülmittel zu schrubben. Und zu schrubben. Und zu schrubben. „Mhmm vielleicht brauche ich mehr Spülmittel?“ Also mehr Spülmittel drauf und weiter geschrubbt. Fettfilm immer noch da, aus der Flasche schon ein Viertel verbraucht. Keine Lust mehr. Dann spüle ich es halt mit Wasser ab und versuche mit der Küchenrolle den Fettfilm wegzuwischen.

Fazit: Spülmittel durchgefallen!

Jetzt steht wieder ein giftig Blaues auf meiner Spüle. Mit dem bin ich zwar nicht glücklich, aber es macht wenigstens mein Geschirr sauber.

Der dritte Versuch – Essen selber züchten

Ich gebe zu: Mit Blumen und Co kann ich nicht viel anfangen. Es sei denn, man kann sie essen! In der Wohnung habe ich fast keine Pflanzen stehen, weil die Katzen sie gerne annagen. Einzig eine Orchidee und ein Basilikum haben bisher überlebt. Also muss ich auf den Balkon auslagern, wenn ich mein Essen selbst heranziehen will. Die Idee, das Essen selber anzubauen, gefällt mir nämlich sehr gut.

Blumen, die ich essen kann, sind toll!

Aber problembehaftet. Zumindest, wenn ich versuche, sie anzubauen. Historisch gesehen haben von meinen Kräuter-Anbau-Versuchen nur zwei von fünf funktioniert. Doch die sind mittlerweile so verholzt, dass man sie nicht mehr essen kann. Aber gut, so schnell wollte ich nun doch nicht aufgeben. Man will ja was für die Umwelt tun!

Deshalb habe ich mir Minze gekauft und in einen Blumenkasten gepflanzt.

Und Tomaten habe ich mir angeschafft: Leckere, kleine, süße, rote Cocktailtomätchen. Zumindest stand das auf den Etiketten der Plastiktöpfchen, in denen die grünen Triebe steckten. Ich habe einen Südbalkon, sprich, den ganzen Tag Sonne. Also müssten sie ja schön wachsen und gedeihen. Dachte ich mir so. Ich habe extra Tomatenerde besorgt, die kleinen Tomatenpflanzen liebevoll eingetopft und mich jeden Tag drüber gefreut, sie auf meinem Balkon zu haben.

Juchuu! Ich züchte meine eigene Tomatensoße!

Als es dann heißer wurde, habe ich meine Tomaten brav morgens und abends gegossen, sie angebunden damit sie nicht umkippen, ihnen gut zugeredet und sie gegen meine Katzen verteidigt. Sie sind gewachsen und gewachsen… Voll gut! Ich habe sogar diese doppelten Blätter weggemacht, die man wegmachen soll, damit die Energie nicht in die Blätter, sondern in die Früchte geht.

Bald waren meine Pflanzen fast so groß wie ich. Ich war megastolz. Die Bienen waren fleißig und die Tomaten haben angefangen Früchten zu tragen. Ich hatte also eine große Menge kleiner grüner Cocktailtomaten. Sehr viele kleine, grüne Tomaten!

Spaghetti mit Tomatensoße-Themenwoche, ich komme!

Dann habe ich gewartet, dass die hübschen, grünen Tomaten rot werden. Weiter gegossen, sie noch mehr in die Sonne geschoben und gewartet. Die Pflanzen nochmal zurechtgerückt und gewartet. Und gewartet…


Im Oktober habe ich dann die blöden kleinen grünen Dinger schüsselweise eingesammelt und in die Wohnung gestellt, weil der erste Nachtfrost angesagt war. Laut Mutti reifen Tomaten ja in der Wohnung nochmal nach: Also Küchenarbeitsfläche zugespamt mit Schüsseln voller Tomaten und wieder gewartet.

Im Dezember habe ich sie dann weggeworfen. Was gut wächst ist die Minze. Immerhin!

Kennt Jemand ein Rezept für Tomaten, die sich weigern, rot zu werden?

Fazit meiner Experimente mit der Nachhaltigkeit

Es gibt verschiedene Nachhaltigkeits-Typen: Diejenigen, die ich als Sie-habens-geschafft einordnen würde. Und Menschen wie ich.

Hä?! Moment, du hast uns doch die ganze Zeit geschrieben du hast versagt beim Thema Nachhaltigkeit und jetzt schreibst du, du bist doch ein Nachhaltigkeitstyp.

Bis ich angefangen habe, genauer über das Thema nachzudenken, dachte ich das auch, denn schließlich gingen ja alle meine Projekte mehr oder weniger schief.
Aber woran ich nicht gedacht habe, waren die ganzen selbstverständlichen Dinge:

Also doch!

  • Ich fahre zwar mit dem Auto einkaufen, aber ich packe meine Einkäufe dann in die mitgebrachten Stofftaschen.
  • Ich habe einen Riesenspaß daran, online meine Unverpackt Bio-Haarseifen auszusuchen, wenn es neue Sorten gibt.
  • Im Laden kaufe ich mir die Bio Zahnpasta ohne Mikroplastikteilchen.
  • Auf meinem Balkon stehen dieses Jahr doch wieder Tomatenpflanzen und die Radieschen sind super gewachsen.
  • Ich habe mir eine Sprühflasche bestellt, um das einfache Rezept aus diesem Blog für einen Reiniger zu testen! Hierfür habe ich alles zu Hause. Bis auf die Sprühflasche und die kommt ja nun bald mit der Post.
  • Diesen Beitrag habe ich geschrieben, während ich Wasser aus der Leitung verfeinert mit Minze getrunken habe.

Ihr seht: Man muss nicht der glorreiche Weltverbesserer sein, bei dem alles gelingt. Man kann die Nachhaltigkeit auch einfach in seinen Alltag hereinlassen ohne viel Aufwand dafür zu betreiben.

Und mal ehrlich… Wer hat Zeit, seine Zahnbürste selbst anzubauen, die Biobaumwolle aus Amerika mit dem Segelschiff zu holen und mit dem nachhaltigen Kork-Fahrrad bei Schnee und Eis zwei Stunden zur Arbeit zu fahren?

Die Autorin:

Lara Bopp

Moin, ich bin Lara. Seit ca. einem Jahr neu im Norden. So quasi im Norden vom Norden: Ich kann nämlich vom Fenster aus nach Dänemark gucken. Ursprünglich komme ich aus dem Rheingau-Taunus-Kreis. Zu meinen Hobbies gehören Flensburg und Umgebung zu erkunden, mein „Herr Pferd“-Azubi und die Fotografie. Meistens alles in Kombination. Ich versuche mein Leben ohne viel Aufwand nachhaltiger zu gestalten.

Autor: Seefelder Mühle

Die Seefelder Mühle ist ein soziokulturelles Zentrum auf dem Land. Zwischen Weser und Jadebusen macht die Mühle das leben bunt! Mit Kulturveranstaltungen und Projekten, die immer dazu einladen sich einzubringen.

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