Wie entkomme ich dem Schnäppchenwahn?

Überall begegnen uns verlockende Angebote, die uns zum unbedachten Kauf verführen sollen. Kann man diesen Versuchungen widerstehen?

Schnäppchenpreise beim Discounter sollen viele Kunden locken.

Manchmal fühle ich Dr. Jekyll und Mr. Hyde in mir, kämpft der Bauch gegen den Kopf, spricht der Teufel auf der linken gegen den Engel auf der rechten Schulter – und oftmals geht der Kampf so aus, dass ein Unwohlgefühl bleibt.

Einige Kilometer weiter mit dem Auto fahren, weil dort das Benzin billiger ist, das habe ich mir abgewöhnt; aber auch nur, weil ich wenig Auto fahre…

Aber wie ist das mit den Sonderangeboten im Supermarkt? Häufig ist die Anziehungskraft des Billigprodukts so groß, dass die Hand zugreift, bevor das Gehirn ein „Stop!“ anordnen kann.

Der Griff ins Ungewisse

Woher kommt das Erzeugnis? Welche Wege hat es hinter sich? Unter welchen Bedingungen wurde es hergestellt? Welche Stoffe enthält es? All diese Fragen tauchen erst auf, wenn die Kasse den Artikel schon gescannt hat und die Freude über das Schnäppchen zurückgedrängt wird.

Unser Gehirn reagiert auf die groß angekündigten Schnäppchen selbst dann, wenn sie überhaupt nicht günstiger sind als die reguläre Ware. Das weiß ich und dennoch falle ich häufig darauf herein.

Innovativ oder doch überreizt?

Ein Einkaufszettel hilft sicherlich – wie auch unsere Bundeslandwirtschaftsministerin so innovativ rät – aber auch mit einem Zettel in der Hand ist mein Gehirn aufnahmebereit für Reize und für auch nicht erwünschte Reflexe, zumal die Supermärkte von Verkaufspsychologen genau für diese Reflexe eingerichtet werden.

Einkaufen im Internet ist auch keine ausschließliche Alternative. Neben dem Verlust der regionalen Wertschöpfung bleiben die ökologischen Belastungen durch Transporte und Verpackungen. Und Internetbrowser sind Spezialisten darin, uns durch eingeblendete Werbebanner die schöne Welt des Konsums immer wieder vor Augen zu führen.

Selbstreflexion hilft

Es bleibt keine andere Möglichkeit, als bewusst einzukaufen und sich immer wieder die Frage zu stellen: Brauche ich das wirklich? Ist das wirklich günstig?

Das bedeutet aber auch, dass der Einkauf lange braucht, und meine Frau gibt jetzt schon immer wieder ihrer Unzufriedenheit damit, dass ich trödele, Ausdruck.

Es bleibt also bei meiner inneren Zerrissenheit. Ich muss mit meiner eigenen Unvollkommenheit leben, oder?

 

Autorenprofil Jürgen Janssen

Autor: Seefelder Mühle

Die Seefelder Mühle ist ein soziokulturelles Zentrum auf dem Land. Zwischen Weser und Jadebusen macht die Mühle das leben bunt! Mit Kulturveranstaltungen und Projekten, die immer dazu einladen sich einzubringen.

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