Die Kugelfisch-Taktik einer Action-Kamera | ausgepackt und nachgefragt

ausgepackt und nachgefragt

Wer kennt ihn nicht? Den Kugelfisch, der sich aufbläht wie ein Sack voll Luft, um größer, bedrohlicher, oder vielleicht auch einfach nur imposanter zu wirken. Eine gute und sinnvolle Taktik in der Tierwelt. Warum aber nutzen Hersteller diese Art der Täuschung, wenn sie ihre Verpackungen
designen?Genau diese Frage kam mir in den Sinn, als ich vor einigen Wochen auf dem Weg zur Hauseinfahrt unserem Briefträger begegnete. Er hielt einen großen, sperrigen Karton in den Händen und ich wunderte mich darüber, dass das Paket für mich bestimmt sein sollte. Hatte ich doch gar keinen
größeren Artikel im Internet bestellt.

Rätsel gelöst

Als ich das Paket, das erstaunlich leicht war, auf dem Gartentisch abgelegt und mit einem Messer die Klebestreifen durchtrennt hatte, ahnte ich nach einem Blick auf den Absender, was der Inhalt des überdimensionierten Kartons sein könnte: Ich hatte einige Tage zuvor eine Action-Cam
bestellt, mit der ich mich demnächst in die Welt der Konzertfotografie stürzen möchte.

Action-Cams sind robuste, wasserfeste Digitalkameras mit einem Weitwinkelobjektiv. Sie sind etwa halb so groß wie eine Zigarettenschachtel und können daher gut an Helmen oder Fahrrädern befestigt werden.

Fehler bemerkt?

Na? Habt ihr den Fehler schon bemerkt?
Genau: Diese Art von Kameras ist ziemlich winzig! Warum also sollte ein Hersteller auf die Idee kommen, sie in einem Paket zu versenden, dass ungefähr zehnmal größer ist, als es notwendig gewesen wäre. Ich packte neugierig weiter aus und hegte bereits die Hoffnung, man habe mir vielleicht versehentlich zwei oder drei der hübschen Spielzeuge geschickt.

Erkenntnis

Viel Verpackung, wenig InhaltMein Hoffnungsschimmer löste sich schnell in Nichts auf, als ich im Inneren des Paketes unter diversen Plastik-Polsterfolien eine sehr stylische Zwei-Komponenten-Verpackung entdeckte, die den Luxus einer gesonderten Umhüllungs-Plastiktüte ihr Eigen nennen durfte und die unten aus einem beschichteten und bedruckten Karton aus Hartpappe bestand, während obendrauf als Aufsatz eine durchsichtige „Haube“ aus Hartplastik thronte, unter der meine bestellte Waren wohl behütet wie auf einem königlichen Podest, oder einem Siegertreppchen positioniert worden war. Rutschsicher in einer Kunststoffhalterung befestigt mit stabilen Kunststoff-Drähten gesichert.

viel Verpackungsmüll wenig InhaltJetzt wurde ich neugierig, denn die Kamera konnte ich ja bereits sehen, aber was sich in dem Karton darunter befinden sollte, war mir nicht klar. Immerhin war er dreimal so groß wie die Kamera selbst. Also sah ich nach und fand neben einem kurzen Ladekabel, einer Mini-Bedienungsanleitung, einer Stativplatte und eines Polster-Klebepads vor allem eines: Eine ganze Menge Luft und kleine Plastiktütchen, in denen die Zubehörteile einzeln steckten.

Beim Kugelfisch ist die Luft raus!

Unnötiger Verpackungsmüll

Tja, viel, nein SEHR VIEL Verpackung(-smüll) für ein paar Kleinteile, die man gut in einem Jutesäckchen hätte verstauen können und eine Mini-Kamera, die sich auch in einem kleineren Karton ohne Plastikscheibenausblick bestimmt sehr wohlgefühlt hätte.Viel Verpackungsmüll

Warum also so viel Tamtam? Mein erster Gedanke war, dass die Plastikhaube vielleicht als Staubschutz für die Kamera dienen sollte, wenn diese länger nicht benutzt wird und im Regal steht, doch diese Illusion musste ich aufgeben, da der Hersteller die Plastikhaube mit Heißkleber bombenfest fest mit dem Karton darunter verklebt hatte und es nicht möglich war, die Pappreste vom Kunststoff zu entfernen. Schade.

Nachgefragt

Da mir die Frage nach dem Warum noch immer keine Ruhe lässt, habe ich heute einen Brief an den Hersteller der Action-Cam geschrieben und ihn darum gebeten, mir zu erklären, warum es ihm notwendig erscheint, eine so unpraktische und überflüssige Verpackung zu verwenden. Vielleicht gibt es ja einen ganz einleuchtenden Grund dafür.

Habt ihr eine Idee dazu? Ich bin gespannt!

Verpackungsmüll vs. Inhalt

Autorinnenprofil Linda Grüneisen

Autor: Seefelder Mühle

Die Seefelder Mühle ist ein soziokulturelles Zentrum auf dem Land. Zwischen Weser und Jadebusen macht die Mühle das leben bunt! Mit Kulturveranstaltungen und Projekten, die immer dazu einladen sich einzubringen.

Ein Gedanke zu „Die Kugelfisch-Taktik einer Action-Kamera | ausgepackt und nachgefragt“

  1. Meine Theorie zu diesem Verpackungswahnsinn lautet: Je größer das Paket, desdo hochgwertiger der Inhalt – der Verbraucher will ja gerne mal verführt werden… Ich hatte schon Riesenpakete mit ganz viel Pappe und Papier und Steroporschnipseln, in dem ich verzweifelt nach meinem winzigen Produkt schürfen musste. Ich hoffe, dass Deine Anfrage beantwortet wird und bin gespannt, sie hier zu lesen.

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