Müllfrei zur Leipziger Buchmesse | selbst versucht

Muellfrei zur Leipziger Buchmesse

Als ich vor Kurzem gemeinsam mit einem Freund einen Wochenendtrip zur Leipziger Buchmesse plante, nahm ich mir vor, diesmal keinen Müll zu produzieren! Und um noch ein bisschen umweltfreundlicher zu reisen, beschlossen wir, das Auto stehen zu lassen und immerhin ab Bremen mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren.

Das Thema „Zero Waste“, also Müllvermeidung, ist bei mir zu Hause ein zunehmend wichtiger werdendes Thema. Im Haushalt klappt das inzwischen schon ganz gut, nur unterwegs tu ich mich häufig noch etwas schwer damit. Meist aus reiner Bequemlichkeit. Umso spannender fand ich daher den Gedanken, eine zweitägige Bahnreise müllfrei zu gestalten.

Wer schonmal mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch die halbe Republik gefahren ist, weiß wie abenteuerlich das mitunter werden kann: Züge, die unpünktlich oder gar nicht fahren, zugige Wartezeiten an grauen Bahnhöfen und dicht gedrängte Menschenmengen in engen Abteilen sind vermutlich den meisten von euch nicht unbekannt. Ich musste also diverse Komplikationen in meine Planung einbeziehen und mir vorher überlegen, was ich in welchen Situationen brauchen würde.

Für die langen Fahrten mit der Bahn würde ich Getränke benötigen und ein paar Snacks für den kleinen Hunger zwischendurch. Um im Hotel kein in Plastik eingepacktes Shampoo und Duschgel sowie eine Einwegzahnbürste zu verwenden, mussten meine eigenen Hygieneartikel mit. Für beide Tage brauchte ich ein Mittag- oder Abendessen und für den Messebesuch eine Tragetasche.

Mein Rucksack – Ein Mikrokosmos

Reiseproviant ohne MüllEs ist mir noch immer ein Rätsel, wie ich all die Dinge, die Ihr hier aufgelistet seht, in meinen Rucksack bekommen habe, aber am Ende steckte tatsächlich Folgendes drin:

  • 1-Liter-Trinkflasche aus Glas mit Wasser gefüllt, um nicht unterwegs PET-Flaschen kaufen zu müssen
  • Thermoskanne mit Tee
  • Trinkbecher aus Bambus, um auf Einwegbecher verzichten zu können
  • kleine Glasflasche mit Pflanzenmilch für den einen oder anderen Kaffee to-go
  • Schraubglas, gefüllt mit dem Rest unseres Abendessens, einem Reisgericht
  • Schraubglas mit Rohkost (Möhren, Kohlrabi, Gurke)Verpflegung für die Buchmesse
  • drei Äpfel
  • eine in drei Fächer unterteilte Plastikdose (BPA-frei) mit Nüssen, Rosinen, Cashewkernen, Datteln und veganen Waffelkeksen für Knabberattacken und nervenaufreibende Situationen
  • Besteck (Gabel, Messer, Schälmesser, Esslöffel, Teelöffel)
  • kleines Stofftuch als Putzlappen für benutztes Besteck und zum Auswischen des Trinkbechers
  • zwei Stoffbeutel für eventuelle Käufe auf der Buchmesse
  • zehn gefaltete Papiertaschentücher aus einer Pappbox
  • Wechselklamotten
  • ein Handtuch
  • festes Shampoo und Duschgel, um hoteleigene Produkte nicht nutzen zu müssen
  • Haarbürste
  • Zahnputzzeug
  • Buch
  • Kamera

Gewicht[ung] abwägen

Ich habe meinen Rucksack vor der Abreise nicht gewogen, aber es wäre falsch, von „leichtem Gepäck“ zu sprechen. Besonders die große Glasflasche und die gefüllte Thermoskanne störten mich zunächst ziemlich. Doch ich fragte mich, was die Alternative wäre: PET-Flaschen unterwegs kaufen? Nee! Das wollte ja gerade vermeiden. Daher nahm ich die zusätzlichen Kilos in Kauf und freute mich darüber, dass wenigstens mein ökologischer Fußabdruck nicht allzu viel Gewicht haben würde.

Nervennahrungsalarm

Müllfreier ProviantDie Geschichte, wie es aufgrund unvorhersehbarer Wintereinbruchs-szenarien zur Lähmung des öffentlichen Nahverkehrs und somit zu einer extremen Verzögerung unserer Ankunft in Leipzig kam, erspare ich euch. Es sei nur so viel gesagt: Ich war heilfroh darüber, Kekse und Knabberzeug dabei zu haben und den netten jungen Mann, der im Zug Süßigkeiten und Kaffee verkaufte, ignorieren zu können.

Endlich in Leipzig angekommen, war es bereits zu spät für einen Rundgang über das Messegelände. Daher fuhren wir weiter zu unserem Hotel, um am nächsten Morgen mit neuer Energie zu starten. Dank meiner Planung konnte ich im Hotel auf plastikverpackte Seife und Shampoo verzichten.

Papierwelt – Wir kommen!

Das Frühstücksbuffet am nächsten Morgen sparten wir uns und kauften stattdessen am Bahnhof einen Kaffee to-go, der im Bambusbecher landete und mit Pflanzenmilch aus der Glasflasche aufgehübscht wurde. Apfel dazu. Fertig.

Teebeutel

Nachdem ich meinen Rucksack in einem Schließfach am Hbf deponiert und nur zwei Stofftaschen, meinen Becher und das inzwischen in die Plastikdose umgepackte Reisgericht mitgenommen hatte, standen wir irgendwann endlich auf dem Messegelände. Leider darf man in die Messehallen keine Glasflaschen mitnehmen. Diese Tatsache ärgert mich noch immer, denn so war ich darauf angewiesen, während unserer Büchertour Getränke vor Ort zu kaufen. Es ärgert mich so sehr, weil man in allen Bistros dort sehr wohl Glasflaschen erwerben konnte. Das Verbot mitgebrachter Glasflaschen kann also keineswegs aus Sicherheitsgründen eingeführt worden sein! Um keinen Papp- oder Plastikbecher nutzen zu müssen, setzten wir uns in eines der Bistros und ich bestellte für mich einen schwarzen Tee mit Zucker. Dazu aß ich mein mitgebrachtes Reisgericht. Der Teebeutel und die Verpackung des Zuckers sollten übrigens der einzige Müll bleiben, den ich während meines Wochenendtrips insgesamt produzierte. Verhindern können hätte ich natürlich auch das, indem ich ein Wasser bestellt hätte…

Keine Werbung, sondern Klartext bitte!

An den Ständen der unterschiedlichen Aussteller gab es immer wieder kleine Lockmittel wie Kugelschreiber, Luftballons, Buttons, Schlüsselbänder und Ähnliches. Ich verzichtete jedoch konsequent darauf und weigerte mich auch, Tragetaschen mit Werbeaufdrucken meiner völlig ausreichenden Jutebeutelsammlung hinzuzufügen.

müllfreie VerpflegungAbends zurück am Hbf überlegten wir, in welcher Form wir uns ein Abendessen für die lange Rückfahrt organisieren könnten. Mir fiel zum Glück ein indisches Bistro wieder ein, in dem ich vor zwei Jahren schon einmal gegessen hatte. Dort kann man sich am Buffet bedienen und das Essen auch mitnehmen. Nachdem ich den Besitzer gefragt hatte, ob ich meine mitgebrachten Gefäße statt der Aluminiumschale benutzen dürfe, war es für den Kassierer auch nicht weiter verwunderlich, dass ich sowohl das Einwegbesteck, als auch die Plastiktüte, die er mir anbot, dankend ablehnte und mich auf den Heimweg machte.

Fazit – plastikfrei unterwegs

Wenn man unterwegs das Zero-Waste-Prinzip praktizieren möchte, hilft es, sich im Vorfeld zu überlegen, was sinnvollerweise von zu Hause mitgenommen werden kann und welche Situationen zu erwarten sind. Hinter der Haustür kommt es dann darauf an, sich bewusst zu machen, welche Handlungen zur Müllproduktion führen und diese dann entweder bleiben zu lassen oder sie geschickt zu umgehen, indem man beispielsweise das eigene Besteck und den eigenen Becher benutzt, statt Wegwerfartikel in Anspruch zu nehmen.

Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht, wenn ihr unterwegs wart?

Habt ihr Tipps, wie es noch besser geht?

 

Autorinnenprofil Linda Grüneisen

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Autor: Seefelder Mühle

Die Seefelder Mühle ist ein soziokulturelles Zentrum auf dem Land. Zwischen Weser und Jadebusen macht die Mühle das leben bunt! Mit Kulturveranstaltungen und Projekten, die immer dazu einladen sich einzubringen.

Ein Gedanke zu „Müllfrei zur Leipziger Buchmesse | selbst versucht“

  1. Hallo Linda!
    Danke für deinen schönen Beitrag!
    Du fragst, wie andere möglichst müllfrei auf reisen gehen. Ich habe immer eigenes Essen bei, welches ich in Edelstahl oder Schraubgläsern verstaue. Eine Edelstahl-Trinkflasche ist nicht so schwer, wie eine Glasflasche. Lieber trinke ich aber aus einer Glasflasche. Es hängt davon ab wieviel „Ballast“ ich sonst an dem Tag habe, welche Flasche ich einstecke Stahl oder Glas.
    Auch auf längeren Touren habe ich mein Essen dabei. Is ne Farge der Planung un der Erfahrung. Zu Trinken gibt dann Leitungswasser. Dan kann man überall nachfüllen.
    Liebe Grüße, Sibylle von miteigenenhaenden.wordpress.com

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