Das Pappbett oder „Ist das ein Bett oder kann das weg ?“ | selbstversucht

Nachhaltiges Schlafzimmer

« Was ist denn das? » « Soll das etwa auch mit? »  « Das kann doch auf den Müll oder ? » – Unser Bett trifft oft auf Skepsis und Ungläubigkeit. So auch bei unseren Umzugshelfer*innen, die in den Pappstreifen nicht sofort ihre Bestimmung erkennen konnten. Mit der Vorstellung, auf einem Bett aus Pappe zu schlafen, konnten sich die meisten nicht anfreunden. Aber wieso sollte man auch?

Das Problem

Zum dritten Umzug in drei Jahren musste ein neues Bett her. Das letzte war ein Relikt aus Anfangszeiten und schon vor Jahren verkauft, weil es doch eher hässlich und zu klein geworden war. In der letzten Wohnung genossen mein Freund und ich dann die Möglichkeit, diese teilmöbliert zu mieten, und kamen so drumherum, ein neues Bett anschaffen zu müssen. Doch nachdem wir diese jetzt verließen, waren da auch Ansprüche. Mindestens 1,80×2,00m sollte es sein, gebraucht und nach Möglichkeit noch ein paar Umzüge halten. Außerdem sollte es maximal 100 Euro kosten.

Die Idee

Meine Recherche auf gängigen Verkaufsplattformen lieferte zwar einige Ergebnisse, jedoch waren die Rezensionen zu den gefundenen Betten wenig überzeugend. Quietschen ist neben schlechter Qualität der Komponenten eines der Hauptprobleme. Und findet man etwas hochwertigeres, kommt da das Gewicht hinzu, von den Maßen von Bettgestell und Lattenrosten ganz zu schweigen. Dann stieß ich in einem Nachhaltigkeitsforum auf einen interessanten Beitrag : das Pappbett. Leicht, widerstandsfähig und recyclebar. Dazu braucht man kein Lattenrost, weil die Matratzen direkt auf das Bett gelegt werden und Dank der Materialeigenschaften von Pappe trotzdem ausreichend belüftet werden. Ich war skeptisch. Wenn die so toll sein sollen , warum habe ich dann noch nie davon gehört und kenne niemanden, der eins hat ? Und wie soll das überhaupt halten, ich meine, es ist ja schliesslich Pappe?

Ich las ein paar Erfahrungsberichte und die Websites der zwei bekanntesten deutschen Hersteller für Pappbetten. Sie werben mit einer Haltbarkeit von bis zu 10 Jahren, 1000 kg Belastbarkeit, Allergikereignung, 60-80 Prozent Altpapieranteil und und und…

Sowohl in denBerichten als auch auf den Websites las ich außerdem, das Wellpappe als ein Holzprodukt hygroskopisch reagiert, d.h.Feuchtigkeit, die evtl. aufgenommen wird,in trockenen Zeiten, z.B . im Winter, wieder in die Umgebung abgegeben wird. Selbst wenn man etwas verschütten sollte, hätte man genügend Zeit, die Flüssigkeit aufzunehmen, bevor die Pappe zu Schaden kommt.

Der Entschluss

Warum also nicht, dachte ich mir. Allerdings steht der Neupreis eines Pappbetts eineBettes vom Möbeldiscounter nur kaum nach. Deswegen suchte ich erneut im Internet nach einem gebrauchten Modell. Gesucht, gefunden, gekauft, saß ich dann also schon auf gepackten Kartons, als mein Freund es aus dem Oldenburger Umland abholte. Und wenige Monate später waren wir – ich, Freund und Bett – zusammen mit einigen Helfer*innen auch schon auf dem Weg nach Frankreich.

Der Aufbau

Nach einigen Tagen auf dem Sofa wurde es dann Zeit für den Aufbau. Dank dem Aufbauvideo im Internet ließ sich dieser in einer Viertelstunde / 20 Minuten bewerkstelligen.

Hier die einzelnen Schritte :

Pappbett Bild 1

So sehen die Einzelteile aus. Kriegt man auch in einen Kompaktwagen.

Pappbett Bild 1

 

Davon sind 5 X-Stücke. Diese werden dann zuerst, wie hinten zu sehen, aufgestellt, und anschließend links und rechts die U-Stücke eingehakt, wie vorne zu sehen.

 

 

 

 

Pappbett Bild 3 Pappbett Bild 4

So sieht das Konstrukt danach aus:

Pappbett Bild 6

Nun werden die Längsstreben oben hineingeschoben.

Pappbett Bild 7

Diese werden durch zwei etwas breitere Längsstreben an deEnden abgeschlossen, die hier schräg eingeschoben werden, um eine unempfindlichere Seitenkante zu schaffen.

Pappbett Bild 9 Pappbett Bild 10

Dann optional noch schnell die Bettkästen zusammenfalten, und fertig ist das Bett!

Das Fazit

Zwar habe ich erst ein paar Nächte Probe geschlafen, kann aber schon so viel sagen: Die Steckverbindung hält bombenfest, das Bett wackelt nicht ein bisschen, dabei werden keinerlei Werkzeuge oder zusätzliche Teile benötigt. Die Matratzen rutschen auch nicht, sondern bleiben an Ort und Stelle. Einziges Manko : die Bettkästen, die ich neu dazu gekauft habe, kamen zwar in einer Pappverpackung, allerdings war diese mit Plastikklebeband verschlossen. Das fand ich wirklich schade, das dieser kleine Schritt zu Papierklebeband nicht noch gegangen wurde!

Ansonsten kann ich das Pappbett voll und ganz weiterempfehlen, es hält, was es verspricht (im wahrsten Sinne des Wortes) und ist dabei ein komplett durchdachtes System, was uns hoffentlich noch einige Umzüge begleiten wird.

Autorinnenprofil Adriana

Autor: Seefelder Mühle

Die Seefelder Mühle ist ein soziokulturelles Zentrum auf dem Land. Zwischen Weser und Jadebusen macht die Mühle das leben bunt! Mit Kulturveranstaltungen und Projekten, die immer dazu einladen sich einzubringen.

2 Kommentare zu „Das Pappbett oder „Ist das ein Bett oder kann das weg ?“ | selbstversucht“

  1. wir hatten gute Zeiten auf dem Bett – das kam damals aus Varel, glaube ich. Später haben wir es verschenkt an ein anderes Pärchen. Hocker von pappelapapp (so hießen die damals,) haben wir immer noch.

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